hier sollte ursprünglich ne Skinheads-Leipzig-gedächtnis-seite entstehen. mittlerweile haben sich verschiedene texte angesammelt, die teils vor, teils nach dem MEETING entstanden sind. bei ner trennung der seiten werd ich hier mal ordnung schaffen. bis jetzt gibts folgende texte:
eigentlich wollte ich nur n paar kumpels treffen und das eine oder andere bier abbeißen. wahrscheinlich hätte ich mich nicht zu nem konzertbericht hinreißen lassen. das, was ich beim Potsdamer SkaFest zu sehen und zu hören bekam, war so erschreckend, dass ich nun doch nen text geschrieben hab.
zum ersten mal waren wir 1991 aufm Potsdamer Skafest, es war ne geile party mit massiv besuchern, und es wurde eigentlich von jahr zu jahr besser. gute bänds, immer mehr loite - und die paar hauereien gehören ja wohl dazu… wir waren immer mindestens mit ner busbesatzung zugegen. zeugen unserer auftritte sind n haufen bilder in den aktuellen publikationen, und Skaoten Leipzig war ja noch jahrelang an der Potsdamer B2 zu lesen.
der dämpfer kam dann 1995, als zum ersten mal der open-air-teil um punkt 22 uhr endete. wenigstens ging das konzert damals noch im saal weiter, was wegen der beinahe unerträglichen hitze und enge nicht wirklich nötig gewesen wäre. damals hatte ich ziemlich die schnauze voll und beschloss, diesen kindergarten nicht zu unterstützen und nicht mehr hinzufahren. vielen anderen loiten, so auch meinen kumpels Tom und Axel, war das nicht ganz so wichtig, zumindest als riesenparty (auch unabhängig von der zumeist erstklassigen musik) hatte das open air nen echten stellenwert für die Skinheadszene.
anscheinend war ich trotzdem mit meiner meinung nicht völlig alleine, die besucherzahlen waren in den letzten jahren stetig zurückgegangen und 2001 gabs gleich gar kein skafest. und wie das halt so ist - das geplante revival 2002 und die aussicht auf ne altherrenfahrt mit Axel und Tom hat dann meinen guten vorsatz vergessen lassen.
geplant war treffen halb acht, um Tom, der mal wieder wie n monchhichi aussah, noch die haare zu schneiden. das war natürlich ein durchaus utopischer plan, los gings dann etwa halb zehn. aber so hatte ich beim warten und einigen von Gritters hervorragenden kaffees genügend zeit, noch mal auf die homepage des Lindenpark e. V. zu schauen und konnte dort beruhigt lesen "Open Air und draußen präsentieren sich euch…". nachdem unsere wetterfee Kati auch noch sonne versprochen hatte, setzten wir drei uns mitsamt ner kiste Ur-Krostitzer und einer flasche mit der berüchtigten Solinger Wick-Blau-Mischung in Toms staatskarosse von 1990-er Opel Kadett - und ab auffe autobahn! was sollte da noch schief gehn?! (…außer dass wir vor kälte raureif in den augenbrauen hatten!)
am Lindenpark haben wir uns dann doch ein wenig gewundert, dass es so saumäßig leer war. ein paar zelte standen dort, wo sie immer stehen, aber null schnapsleichen oder andere mutanten, die normalerweise sichere indizien einer guten party sind. da sich unsere 4‰-froinde (gar nicht standesgemäß) mittags immer noch in ner potsdamer wohnung befanden und uns langweilig war, blieb uns gar nichts übrig als die näxte kneipe aufzusuchen. dort wurde uns bei ein, zwei bier und n paar kümmerlingen dann doch noch warm. beim bezahlen wurden denn auch die ersten sprachfehler offenkundig. der tag hatte begonnen.
über den rückweg am hellerlichten nachmittag kursieren mittlerweile mehrere theorien, ne gesicherte aussage kann ich hierzu nicht machen. jedenfalls wurde der plan eines fußmarsches zum baggersee verworfen, und wir fanden uns irgendwann an den bierzeltgarnituren im Lindenpark wieder. die Solinger waren mittlerweile auch eingetroffen. auch wenn n bissel wenig gäste da waren (ich schätze mal: 500), hätte es n gutes "offne-luft-fest" werden können.
aber schon nach kurzer zeit und nem kleinen handgemenge mit der security - uns sowohl zahlenmäßig als auch vom körperlichen zustand her überlegen - war die party für Tom leider zu ende: immerhin gegen rückzahlung des durchaus stattlichen eintrittsgeldes von 16 Teuro wurde er vor den zaun gesetzt. anfangs störte das nicht weiter, weil er sowieso blau war und wir uns in der sicherheit wiegten, dass er auch so was vom konzert mitbekommt. weit gefehlt - die veranstaltung war drinnen! da wurde uns endlich klar, wieso innerhalb des normalerweise recht weiträumigen geländes ein lächerlich kleines areal für den publikumsverkehr freigegeben war: das war der einzige und vom konzert nicht berührte "open air"-bereich. ein trauriger lügenrekord.
unsere laune wurde dadurch nicht eben besser. und einige alberne versuche, Tom wieder ins boot bzw. ins haus zu holen, brachten uns auch nicht weiter - aber dafür in den genuss, mit den veranstaltern dieser lahmparty ins gespräch zu kommen. der cheffe (hieß der Wolfgang?) sah gar kein problem darin, dass das konzert im haus und nicht "Open Air und draußen" war. schon nach wenigen worten wurde mir klar, dass der typ mit Skinhead ungefähr soviel am hut hat, wie n hersteller von schermaschinen: die chance ne schnelle mark zu machen.
von den bänds hab ich dadurch nicht allzu viel mitbekommen, natürlich haben sie trotz allem bloß bis um zehn gespielt. diesen kindergarten kannte ich ja schon… das hab ich dann halt weggesoffen und mich irgendwann gegen mitternacht auf den stufen vorm tresen zur ruhe gebettet. gegen drei war ich wieder munter, und ich musste mich wegen akuter kälte am nighter beteiligen. das was von meinem körper noch anwesend war, forderte dann seinen tribut, ich suchte die toiletten auf. weil bei den jungs alle abgesperrt waren, musste ich zu den mädels gehen, um meine umfangreichen geschäfte abzuwickeln. (und wie immer auf dem damenklo: es war widerlich!) dort hab ich dann Tom und Axel wiedergetroffen, die mittlerweile auch gepennt hatten. gegen fünf war dann der nighter zu ende, und ein, zwei bier später haben wir unser nachtquartier im opel aufgesucht.
zur rückfahrt bleibt nur zu sagen, dass wir es unfallfrei geschafft haben…
aber höret, oh froinde, was ich weiterhin vom großartigen veranstalter vernehmen musste! diese trittbrettfahrer planen tatsächlich, 2003 ein Oi! The Meeting zu organisieren:
vielen dank! darauf können wir gerne verzichten!
Dieses Wochenende sollte wieder eins dieser besonders süffigen und würzigen Ereignisse werden. Irgendwann Freitag Nachmittag brach nun die Moite aus DD auf zum Meeting nach Leipzig. Kaum am Conne Island angekommen, sah man schon die ersten wankenden Gestalten, warum auch nicht(?)…
Die Anlaufphase des Meetings gestaltete sich so, das erst mal jeder Dritte über so eine aus dem Boden hervorragende Metalllatte stolpern musste und das es Rückkopplungen in meinem Kopf wegen den vielen auf voller Lautstärke laufenden Recordern gab. Ich habe natürlich wild gezeltet. Da konnte man wenigstens den "netten Mann von nebenan" spielen. Dieser Lagerplatz, wo ich zelten wollte, hatte sich anscheinend ja schon rumgesprochen, denn als ich mit meinem Zelt wieder dahinkam, war fast alles belegt. So zelteten also Trieraner, Kamenzer, Pirnaer und Dresdner beieinander. Da durfte dann auch zu guter letzt die Sachsenfahne nicht fehlen.
Also nach lustigem Warmtrinken machte man sich auf in Richtung Conne Island, wo 4 Promille bereits auffer Bühne stand. War ein ganz gutes Konzert, doch die Jungs von nebenan hatten's eben schwer gegen gutes Wetter und gute Stimmung außerhalb des Konzertraumes anzukommen. Der Raum füllte sich erst zu späterer Stunde richtig und die Promillestände in den Köpfen natürlich auch. Die Fete war am laufen. Nachdem 4 Promille (spielten die übliche Liederpalette) unter tobenden Zugaberufen die Bühne verließen, zog es mich wieder nach draußen. Auf gut Deutsch hab ich Loaded verpasst. Kalle und ich sind dann irgendwann zu Loikaemie wieder rein. Die Fete war jetzt und hier richtig am Laufen, man sah förmlich die gute Stimmung in den Gesichtern der anwesenden Leute. Loikaemie zogen ihren Part ordentlich durch. Das Publikum tanzte und sang. Nach den von mir gesehenen respektablen Auftritten ging's natürlich wieder ab zum Bierstand bzw. in das Bierzelt. Dort war die Oi!Party voll am laufen. Zu Cock Sparrer, Condemned 84 usw. wurde kräftig getrunken, gelacht und getanzt. Oi! & Spaß - aber keine Politik. Die Gemüter erhitzten sich höchstens einmal bei den Sympathien zu Fußballmannschaften (nur die SGD!!!). Aber mit der Fanfreundschaft hab ich's glaube am meisten übertrieben. Ansonsten war das schon ein schöner erster Abend in Leipzig. Ich habe da nur noch gehört das im Tunnel hinterm C.I. (also mitten auf meinem Heimweg) ordentlich "gepimpert" wurde (Mist, wieder was verpasst!). Ansonsten lag ich irgendwann in meinem 2-Mann-Zelt mit drei weiteren Dresdnern. Einer davon (dor Mätt, Med, Mad, Mäd) rannte aller 15min raus, brüllte "Auf Dynamo!!! Auf Dynamo!!!" und kam wieder in das völlig überfüllte Zelt, in dem schon langsam der Wasserdampf kondensierte.
Der näxte Morgen kam schnell, zu schnell für meine müden Augen. 11 Uhr war ja schon Treff zum Fußballturnier und ich wurde 10:45 Uhr geweckt, also nix wie hin. Logischerweise waren wir auch ein bissl zu spät, aber das wurde uns nicht merklich angekreidet. Wir hatten in der Vorrunde Spiele gegen St. Pauli (HH), Die Moralischen Sieger (Volxsturm), L.E. Outsiders (Nachwuchs der Skaoten) und Empor Fünfkommazwo (???) zu bestreiten. Natürlich haben wir keins davon verloren, sondern lediglich zweimal unentschieden gespielt. Leider kam dann etwas Pech im Halbfinale hinzu, als wir im 9-Meter-Schießen gegen die Elbe Boys (DD/Riesa/1Leipziger) verloren. Für den 3. Platz hat es dann im kleinen Finale aber doch noch gereicht, die Altherrenmannschaft von den Skaoten Leipzig knapp, aber verdient, geschlagen. Der gewonnene Kasten Urquell hat natürlich super lecker geschmeckt, hehe. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Kalmi aus Grimma und die zwei Jungs aus Halle(?), die uns beim Fußball unterstützt haben.
Der Samstagabend gestaltete sich ebenso süffig wie der vorherige. Viele neue Gesichter waren auch zu sehen. Dieser Abend war ja für mich der eigentliche Höhepunkt mit Combos, wie Discipline, Volxsturm und den Cockney Rejects. Alle drei der Bänds vollbrachten natürlich einen ordentlichen Auftritt, was bei dem Publikum auch kein Problem war. Die Jungs, die am vorherigen Abend schon einige Textpassagen der jeweiligen Sänger übernahmen, waren auch wieder auf der Bühne. Volxsturm und den Discipline-Pogo (spielten eher neuere Sachen) hab ich mir noch gegeben, danach musste ich erst mal raus (bei den Massen dort drin), auf's WC. Danach hat man sich wiedermal festgequatscht... Cockney Recjects verpasste ich zwar leider zur Hälfte, aber das, was ich sah war durchaus gut. Leider aber spürte man, dass nicht mehr so die Höllenstimmung da war, wie bei Discipline, die hier wirklich den Rahmen sprengten. Kann ich mir ja auch gut vorstellen: Normalerweise werden Discipline-Konzerte ja reichlich von den gegensätzlichsten politischen Affen besucht, doch an diesem Samstag war es eine Szene, die da vorne tobte und pogte. Nachdem das Konzert vorbei war, ging's ebenfalls wie am Vortag ab ins Zelt. Dort plauderte ich wieder mal mit Willie, der mich an diesem Wochenende mit viel Geduld behandeln musste, denn ich war voll und auf dem Dynamo-Trip (Hat ja auch geholfen!!! 1:0 bzw. 0:0 = Aufstieg). Leider ist er ja kein Fußballfan, so wie andere Leipziger, also unseren Spezialfreunden vereinspolitisch gesehen :-). Danach war auch für mich dieser schöne Abend oder Morgen (?) beendet und es ging, geleitet von einem Kamenzer, ab Richtung Zelt, wo schon wieder viel zu viele drin lagen.
Der Sonntag gestaltete sich eher ausnüchternd und verpeilt. Aber jeder musste nach so einem Wochenende ja dem Alkohol Tribut zahlen und hat das in Anbetracht der guten Stimmung vergangener Tage auch gern gemacht.
FAZIT: Ein gut durchorganisiertes Treffen. Ich hab auch keine Klagen gehört. Großes Lob an die Organisatoren aus Leipzig. Das Bier hatte auch gute Preise (Stadionpreise!) und das Gegrillte hat in erster Linie super geschmeckt. Ich komme auf jeden Fall wieder. Also das C.I.-Gelände eignet sich wirklich für solche Treffen, hätte ich nich gedacht!!!
Cheers & Oi! Uwe aus Dresden
http://www.boitelbois.de/
berichte auf anderen seiten gibts »hier.
mitte april musste ich mir binnen weniger stunden was für den Conne-Island-Newsflyer "CEE IEH" aus den fingern saugen. das produkt meiner fantasie gibts hier schon mal als "vorabdruck":
Ist man kein Nazi, muß man Kommunist sein und ist man kein Kommunist, dann muß man ein Nazi sein.
(George Marshall, »Spirit of '69 - Eine Skinhead Bibel«)
Tja, vor ca. sieben Stunden kam Grape und hat gesagt, dass ich diesen Artikel bis morgen schreiben soll… Nachdem ich noch arbeiten und hinterher eins, zwei, sieben Bier abbeißen war und mir immer noch jede Idee fehlt, werde ich euch einfach damit zulabern, was mir am MEETING wichtig ist:
Den Kern der Leipziger Skinheads gibt's etwa seit 1990. In den Jahren der Wendewirren haben sich die besten Chaoten, die's je gab, zusammengefunden und überlegt, wie sie ihr Leben noch schwieriger gestalten können. Das Gros kam irgendwie aus der Punk-Ecke (mit der heroischen Ausnahme Wirthy, das ist klar!), und die Parole hieß: "Scheiß auf Alles - Wir machen es falsch!"
Mit ner Hausbesetzung sowie Kontakten zu zwielichtigen Gestalten aus Halle und aus dem Strietz haben wir lange und kontinuierlich daran gearbeitet, unseren Ruf auf beiden (politisch verankerten) Seiten zu ruinieren.
Die folgenden Jahre konnten wir in dieser Hinsicht definitiv auf der Haben-Seite verbuchen. Komischerweise hatten wir damit bei den Faschos viel weniger Anklang gefunden als bei den Leipziger Zecken. Vielleicht lag das daran, dass die Faschos damals zu oft versucht hatten, die Läden zu überfallen, die wir gern dann aufsuchten, wenn dem Morgen schon vor uns graute…
Aber auch die Betreiber derselben Läden waren nicht wirklich glücklich mit uns. Schließlich kam jemand namens Imad auf die mehr als gute Idee, den Bock zum Gärtner zu machen. Das damals ziemlich junge Conne Island (kurz nach den ReAktion-Konzerten) hatte auf einmal keine Störenfriede mehr, zumindest nicht im Publikum. Und seitdem haben wir in Leipzig einen großen Laden, in dem regelmäßig fette Oi!- und auch Ska-Konzerte abseits von Kommerz und Studentenpack stattfinden können.
hier hat sich der fehlertOi!fel eingeschlichen: |
Für uns wichtige Veranstaltungen waren The March of the Skinheads oder das Oi! The Meeting 1992. (Um die Bedeutung dieser Treffen richtig einzuschätzen sei kurz erwähnt, dass Lübeck und Bremen damals rechte Hochburgen waren.) Zu wissen, dass es noch mehr Verrückte gibt in Doitschland, die sich n Dreck um das scheren, was die anderen denken, gab uns einigen Auftrieb. Die spektakuläre Neuauflage 1994 (Ich erinnere an die Promenade am Timmendorfer Strand!) machte noch einmal klar: Skinheads in Doitschland sind Skinheads im Geist ihrer englischen Wurzeln! Fuck Politics!!! - Und nebenher gabs massiven Ärger mit den Berliner SHARP-Fanatikern. Immerhin waren wir so davor gefeit, dieser Art bornierten Extremismus' anheim zu fallen. Über das beinahe dritte Meeting in Braunschweig will ich mal keinen Text verlieren, das war dann wohl nicht so der Hammer.
…einige Jahre sind seitdem ins Land gegangen. Man könnte denken, das sich einige Dinge verändert hätten, aber nein - sie sind nur schlechter geworden. "Unpolitisch" steht heute im Ruf feige zu sein, die eigene Meinung verheimlichen zu wollen - im Gegensatz zu dem was ich damit verbinde: "Bis hierher kannst du mich vollquatschen, und nicht weiter!" Aber schließlich hatte Jan (Skateboard rules! - Aua!) die Idee, die unser und Oi!er Leben verändern wird: Wir machen das Meeting hier in Leipzig. Wenn die Muscheltreter grad keine Lust haben, ziehn wir hier zum 33-sten Geburtstag 'ne Party durch, die sich gewaschen hat.
Musik wird natürlich der Aufhänger sein, aber grundsätzlich geht's vielmehr um ein bundesweites Skinheadtreffen. Wir wollen hier Loite sehn, die sich nicht von irgendeiner Politscheiße haben das Hirn waschen lassen. Die dazugehörige Demo können wir uns in Leipzig aber grad nicht leisten. Dafür sind hier Bürger, Medien und auch die Herren in Grün durch die ständigen Trachtenumzüge unserer Nachgeburten um Herrn Worch zu sehr aufgeschreckt. Trotzdem und deswegen wird's dann so ablaufen:
natürlich spielen Scrapy am sonnabend und Ska Trek am freitag. aber nich ma der skinheadhändler hats gemerkt! wie gesacht: über nacht geschrieben… |
Mit einer der besten Bänds, die der aktuelle deutsche Oi! zu bieten hat, wird am Freitag 4 Promille mit »Oi The Meeting« eröffnen. Scrapy wird hinterher den letzten Zweiflern klar machen, dass Ska wirklich keine Erfindung von Studenten ist. Und schließlich empfehle ich, Loikaemie ganz unbedingt bei »Ihr für uns und wir für Euch« das Gehör zu leihen.
Am Sonnabend werden wir dem über Jahre vielfach geäußerten Wunsch nach Revanche Genüge tun: Ihr könnt versuchen, uns den Titel als beste Skinhead-Kicker-Crew abzujagen. (Keine Angst! Ich bin bloß der amtlich beglaubigte Fresshool, der irgendwo besoffen in den Rabatten liegt.) - Und ihr werdet eure Niederlage hinterher verschmerzen können beim WM-Spiel Saudi-Arabien gegen Doitschland.
Der zweite Abend beginnt dann mit SkaTrek. Die musikalische Erfüllung folgt sofort mit meinem persönlichen Headliner Evil Conduct, einer Uralt-Neuentdeckung aus Holland: very straight, very Oi! Hinterher folgen die hardcorelastigen Discipline und die Band, die letztendlich für UNS ALLE verantwortlich ist - Cockney Rejects: »Oi! Oi! Oi!«
Nicht zuletzt und in eigener Sache: Wir haben auch dazu gelernt, das heißt, wir sind schlauer geworden, nicht weiser. Axmen und meine Wenigkeit (räusper!) haben sich dessen angenommen, was lange schon nötig und im Geiste vorhanden war: Binnen weniger Tage entstand eine eigene Heimseite im internationalen Rechnerverbund. Ich schätze, dass diese Idee (der Fachmann sagt dazu Schachzug) nicht ganz unbedeutend für das Bekanntwerden des OI! THE MEETING 2002 ist. Nachdem wir uns auch dort kaum vor völlig verblödeten und legastheniebelasteten Beiträgen retten können, zum Schluss 'n paar gemeinverständliche Worte zum (un)politischen Standpunkt:
In diesem Sinne und in Vorfroide auf Dein Erscheinen beim Oi! The Meeting 2002:
Rock'n'Roll, ihr Arschlöcher!
webhamster
die folgenden zeilen sind zwischen dem 25.05. (Volxsturm statt Evil Conduct) und 30.05. (Loaded statt Ska Trek) entstanden. der besseren übersicht halber hab ich sie hier mal gekürzt zusammengefasst.
in den letzten tagen gabs bei uns in Leipzig ziemlich viel trubel. die vorbestellungen sind binnen weniger tage auf mehr als 600 pro tag geschnellt. und die vorbereitungen im Conne Island laufen mit allen im voraus geahnten und weiteren pannen auf hochtouren.
unter diesen bedingungen ist es vielleicht zu verstehen, dass unserem bandmanager Gag ein riesengroßer fehler unterlaufen ist. in unkenntnis der tatsächlich zu erwartenden besucher hat er sich in den verhandlungen mit Evil Conduct unsensibel verhalten. das traurige ergebnis ist, dass Evil Conduct nicht spielen werden! leider lassen sich Evil Conduct nicht mehr auf einen gig beim Oi! The Meeting 2002 ein. es ist uns wichtig zu betonen, dass der fehler bei uns - nicht bei der band - liegt!
um den blöden spruch von der zweiseitigen medaille nicht zu bemühen: ich freue mich, dass Volxsturm nun doch beim Oi! the Meeting 2002 spielen wird! damit haben wir eine deutsche Oi!-bänd ins programm bekommen, die einerseits immer wieder im gästebuch gefordert wurde und andererseits schon 1994 in Lübeck beim Meeting war. damit können wir immerhin zweifach an Meeting-traditionen anknüpfen...
- um das fass dann ganz voll zu machen, hat uns am 24. noch die hiobsbotschaft erreicht, dass Mimi - die Sängerin von Ska Trek - kurzfristig ins krankenhaus muss. deswegen werden auch Ska Trek nicht auftreten! (gute besserung!)
ganz sicher ist, dass wir am freitag eine skaband zwischen den beiden Oi!-auftritten bieten werden! innerhalb eines tages war es uns aber nicht gelungen, ersatz für Ska Trek zu finden.
die folgenden tage erschöpften sich mit halbherzigen zu- und regelmäßigen absagen der angefragten bänds. seit dem 30.05., gegen 15:00 steht nun endlich ein ersatz für den ska-part am freitag: Loaded! das scheint mir am aber ganz gewaltig & geladen ins programm zu passen!
Hangatyr hat seine erinnerungen zu den Skinheads Leipzig aufs digitale papier gebracht. DANKE!!! ich hoffe, dass das nachahmer findet!
also eigentlich wollte ich mich ja um den schriebskram drücken, da ich aber dieselben öffentlichen einrichtungen wie der webmaster besuche, ist es für meine gesundheit wohl zuträglicher… ich zwing mich einfach mal. (eh, der is alt und langsam! – d. A.)
wenn ich also schon was zur entstehung und zum mittlerweile kümmerlichen rest der leipziger Oi!-Skin-Szene schreiben muss, während ich mich durch diese berge fotos wühle, kann ich nur feststellen, dass wir die zeit vor 1990 angesichts der peinlichkeit lieber unbeachtet lassen. obwohl alte bundeswehrstiefel, hochgekrempelte "käferjeans" und bomberanoracks letztendlich den alten '69-er zeiten am nächsten kommen. (lacht nur, ihr scheiß wessis!) nach besagter zeit der entbehrung wurde natürlich sofort aufgerüstet, und wir sahen nicht nur smart aus – nein, es gelang uns auch dank des inzwischen durchlässigen todesstreifen, freunde und feinde im gesamten bundesgebiet zu sammeln.
was unsere geliebte politik anging, fanden wir anfangs, dass eine plakative zurschaustellung unserer antirassistischen grundeinstellung mittels SHARPpropagandamaterial durchaus angemessen war – was einerseits auf seiten der geschniegelten für unmut sorgte und uns anderseits keinesfalls vor der beschimpfung seitens unserer linksradikalen bundesgenossen schützte. na gut, mit olle SHARP war es dann sowieso bald essig, weil wohl auch den größten idealisten irgendwann klar werden musste, dass sich die gesamte bewegung, um so populärer sie wurde, zum großteil aus kahl geschorenen kommipunkern rekrutierte. und spätestens nach dem versuch unserer freunde, im rahmen einer legendären antifaschistischen maidemo unsere SHARPfahne einzuäschern sowie einiger besuchter fashogigs war klar, dass wir nicht mehr für nächtelange diskussionen zur verfügung standen. denn es war ziemlich klar geworden, dass die alle irgendwie einen hängen hatten und dass man sich nicht für eine seite entscheiden muss, um sich mal gepflegt in die fresse zu haun oder ein "Krosti" zu nippeln.
die schönsten erinnerungen dieser zeit sind unsere gemeinsamen auswärtsfahrten zusammen mit unseren freunden aus Berlin, Rostock, Graal-Müritz oder Borna. (an dieser stelle einen besonders lieben gruß an die alten metaller aus Frohburg!) ob Bremen, Lübeck, Potsdam oder die alten provinzen am Balaton – es war immer eine reise wert. auch wenn sich mit der zeit die reihen lichteten, so wurde die bindung zu den alten und neuen freunden, die nicht aufstecken wollten, doch um so fester. und es ist jedes mal ein fest, sie bei dem einen oder anderen anlass wiederzusehen und gemeinsam zu feiern.
ich denke, dass genau das die motivation hinter dem vorhaben anfang sommer nächsten jahres ist, und hoffe, dass es auch so vielversprechend wird, wie es sich die initiatoren des Oi! - The Meeting 2002 versprechen. so wäre dies auch ein gegebener anlass, den kontakt mit der etwas jüngeren generation zu intensivieren und mal über die abschätzenden blicke hinaus in unserer stadt flagge zu zeigen.
ich für mich hoffe, endlich mal wieder ein paar alte bekannte zu treffen und nach dem, was ich bereits vernommen habe, einige schmakatzien der unterhaltungsmusik mal wieder live zu sehen.
bis denne! oier hangatyr
(special thanx to Jule)
Gast: Zwei große Bier.
Keeper: Keine Zeit...
Gast: Wieso?!
Keeper: Ich muss die ganzen Gläser hier abwaschen.
Gast: [typische handbewegung quer über den tresen]
Jetzt haste genügend Zeit!
in ner umnachteten minute habe ich mich entschlossen, (m)eine sicht auf die subkultur hier zu veröffentlichen. bis jetzt gibts nen » abriss der entstehung und was zur » garderobe. es folgen politik, musik und was mir so einfällt. wundert euch nicht, wenn der text manchmal etwas zu kurz gerät und ich an anderen stellen völlig klare dinge erläutere oder dass alles ein bissel abgehoben klingt: der text ist als überblick für leute gedacht, die außer in der BLÖD mit der szene nix zu tun haben.
jungs in schweren boots und mit crop waren schon um 1964 in den kreisen der Mods gesichtet worden. es dauerte aber eine weile, bis sich der stil der Skinheads endgültig als eigener typus innerhalb der verzweigten britischen jugendkulturlandschaft etablierte:
die Modernists, allgemein nur Mods genannt, gehörten zu einer subkultur, die sich in england anfang der 1960-er jahre unter weißen jugendlichen entwickelt hatte. sie waren die wichtigsten und unmittelbaren vorläufer der Skinheads. Mods waren zumeist jugendliche aus arbeiterfamilien, die in die mittelschicht strebten. sie lebten zwar nicht mehr wie ihre eltern in verelendeten verhältnissen, es hatte sich aber an ihrer stellung in der gesellschaft nichts geändert – sie waren immer noch weit, weit unten. beruflich hatten sie es bestenfalls zum verkäufer oder zu untergeordneten positionen in verwaltungsstellen gebracht, aber ihr äußeres erscheinungsbild signalisierte bereits die erstrebte zugehörigkeit.
mod zu sein hieß: teure klamotten, Ska, aufputschtabletten, eine effektvoll gestaltete Vespa und wichtigtuerei. aufgrund ihrer sozialen lage konnten sich Mods diesen aufwändigen lebensstil eigentlich nicht leisten, trotzdem versuchten sie auf diese symbolische weise, über ihre herkunft aus der ehemals stolzen und jetzt in die armut fallenden arbeiterklasse hinwegzutäuschen.
in die bewegung strömende kids brachten gewalt, tumulte und kneipenschlägereien mit und lösten eine veränderung innerhalb der Mods aus. die bewegung wurde härter, ihr image wurde immer mehr von tatsächlicher gewalt als von provokation geprägt. die modbewegung befand sich auf kollisionskurs mit sich selbst. viele Mods stiegen aus: vor allem die, die den sprung in die universitäten und kunsthochschulen geschafft hatten, setzten sich im studentischen milieu zur ruhe, andere wiederum wurden einfach "normal".
innerhalb dieser szene entwickelten sich daraufhin die Hard Mods. sie waren die, denen das geld für die angesagten und schweineteuren klamotten fehlte und die lieber billiges bier tranken, als tabletten und cocktails in irgendwelchen in-clubs zu nehmen.
die Hard Mods bekannten sich im gegensatz zu den Trendies – dieser name wurde zuweilen für die angepassteren Mods gebraucht – deutlich proletarisch, für sie hatte respektlosigkeit und herausforderndes verhalten gegenüber autoritäten und öffentlicher ordnung einen wesentlichen stellenwert. diese für das entstehen der Skinheads bedeutungsvolle wachsende anzahl von gangs verstärkte das gewalttätige und aggressive bild der Mods nach 1964.
in vielen städten englands bzw. in den einzelnen stadtteilen gab es gangs von Hard Mods. auf sie übte die ganovenwelt eine große faszination aus, sie adaptierten sprachelemente und verhaltensmuster. sie verteidigten ihren stadtteil gegen angehörige anderer gangs, zogen in die fußballstadien und kleideten sich anders: sie tauschten die teuren schuhe gegen schwere boots, trugen jeans und t-shirt schließlich auch am wochenende, schnitten ihre haare kürzer.
die zweite bedeutende quelle der Skinheads waren die Rude Boys. sie waren kinder westindischer einwanderer und lebten in den gleichen arbeitervierteln mit den gleichen abneigungen gegen mittelschichtler und sämtliche staatliche institutionen, und sie hatten sich in ähnlich harten gangs wie die Hard Mods organisiert. als wichtigen impuls für die englische jugend hatten sie den Ska aus jamaika mitgebracht. gemeinsam mit ihnen besuchten Mods (und später Skinheads) tanzschuppen, um nach den neuesten platten aus jamaika zu tanzen. dies war ein wichtiges bindeglied und wahrscheinlich der hauptgrund für den hohen anteil farbiger jugendlicher unter den Skinheads der späten 1960er und anfang der 1970er jahre.
ein weiterer ursprung waren die Boot Boys – ebenfalls weiße jugendliche aus den unterschichten. ihr aktionsraum waren die ränge der fußballstadien, sie entwickelten sich als jugendkultur aus hooligans und erregten regelmäßig durch wahre schlachten mit gegnerischen fans aufsehen in großbritannien. ihren namen hatten sie von ihren arbeitsschuhen, oft mit außen aufgesetzten stahlkappen, die sie in den farben der favorisierten mannschaften bemalten. auch sie waren bekleidet mit stiefeln, hemd und jeans.
schließlich entstanden ab 1968 immer mehr gruppen von jugendlichen, die noch stärker als die Hard Mods ihre herkunft aus der arbeiterklasse hervorhoben und sich in gewalttätigen, rivalisierenden straßengangs, den so genannten "crews" und "fleets" (verbindung verschiedener crews), zusammenschlossen. und wie die Boot Boys nahmen sie das fußballspiel am wochenende zum anlass für schlägereien mit gegnerischen fans.
sie trugen die haare in proletarischer manier kurz, was ihren aggressiven gesamteindruck bestärken sollte, oft konnte man die kopfhaut durch die haare schimmern sehen. wahrscheinlich deshalb setzte sich 1969 der name Skin Head durch, nach bezeichnungen wie Lemons, Spy Kids, Peanuts, No-Heads.
der "normale" Skinhead war ein männlicher jugendlicher aus der unterschicht (arbeiter und einwanderer) und zumeist unter 18 jahren alt. es gab sowohl crews mit ausschließlich weißen, als auch rein farbigen oder gemischten mitgliedern. gemeinsam mit den Rude Boys frequentierten sie die schwarzen Ska- und Reggae-clubs. es entwickelte sich ein eigenständiger musikstil: der Skinhead Reggae.
die crews trugen untereinander gewalttätige kämpfe um gebietsansprüche aus. die als "paki-bashing" zu unrühmlicher bekanntheit gelangenden übergriffe (von rein verbal, über sachbeschädigungen bis zum tatsächlichen jagen und verprügeln) war weniger ausdruck einer rechtsextremen gesinnung als die fortführung von gebietsansprüchen. auch Rude Boys hassten die "pakis", sie verstanden genauso wie die Skinheads nicht, wieso die kinder der asiatischen einwanderer sich keiner der bestehenden jugendbewegungen anschlossen. inder und pakistanis besetzten eigene territorien, in denen sie eigene läden, cafés usw. einrichteten, und vermischten sich nicht mit der traditionellen arbeiterklasse – sie wurden als bedrohung empfunden. außerdem galten hippies, rocker, homosexuelle (queer-bashing) und studenten als bevorzugte angriffsziele.
in den tanzhallen verdrängte mit ausdehnung der rastafari-bewegung schwer tanzbarer Dub Reggae (buh!!! – d. a.) mit religiös beeinflussten texten den von Skinheads geschätzten Ska und Skinhead Reggae. rastafari brachte auch den genuss von marihuana mit, einer von Skinheads nicht akzeptierten, neuen droge. das bündnis zwischen den farbigen Rude Boys und weißen Skinheads zerbrach.
die folgenden schlägereien und schlachten zwischen den gruppierungen verschiedener hautfarben ließen die boulevard-presse aufschreien. mit großem erfolg wurden Skinheads als hirnlose und gewalttätige verbrecher dargestellt. Skinheads wurden zu gefürchteten und verhassten un-personen. einige verließen deswegen die subkultur, andere strömten gerade wegen der gewalttätigkeit hinein. die polizei reagierte zunehmend restriktiv; letztlich reichte das entsprechende outfit aus, um z. b. nicht ins fußballstadion gelassen und/oder verhaftet zu werden. das jahr 1971 kann als ende dieser ersten generation angesehen werden.
jedoch verschwanden Skinheads nie vollständig von den britischen straßen. und als 1976 mit dem punk eine neue jugendkultur die straßen und die aufmerksamkeit der medien eroberte, waren Skinheads wieder zur stelle: in spektakulären straßenschlachten zwischen Teds und Punks waren Skinheads auf beiden seiten vertreten. auf den seiten der teds kämpften traditionsbewusste Skinheads, zu den Punks stieß eine neue generation. diese "neuen" gaben sich anarchischer und sie neigten dazu, noch gewalttätiger als ihre vorbilder zu sein. hier traten stolz und tradition der auf die selbstbewusste britische working class bezogenen "alten" gegen die höhnende respektlosigkeit der "neuen" Skinheads an.
nachdem Punk sich innerhalb der folgenden zwei jahre in der welt des kommerziellen pop etablierte, wandten sich viele der jüngeren Skinheads wieder dem ursprünglichen stil zu. ihre haare waren aber meistens deutlich kürzer – teilweise wurde jetzt kahl rasiert. auffällige neue accessoires waren mit chemischen reinigern stellenweise geblichene jeans und hosenträger, die nicht die hose trugen, sondern symbolisch herabhängend getragen wurden. aber auch die smarte garderobe erlebte ein come-back. die bevorzugte musik war immer noch Ska, aber von einer schnelleren art; der Skinhead Reggae lebte wieder auf.
musikbands, die der kommerzialisierung des Punk ablehnend gegenüber standen, entwickelten eine neuen bzw. ursprünglichen, rauheren stil: den Streetpunk. die bands selbst waren keine Skinheads, und das publikum rekrutierte sich eher aus Punks als Skinheads. trotzdem wurde Streetpunk zur bevorzugten musik der Skinheads. 1980 verwendete der musikjournalist Gary Bushell zum ersten mal den Begriff Oi!: »[...] ganz am Anfang nannte ich die Bands New Punk, danach Real Punk. Oi! war aber irgendwie treffender. Ich erfand den Begriff für das neue Genre 1980.«
die zahl der Skinheads schwoll wieder an, und die konzerte von Streetpunk- und Ska-bands wurden immer zahlreicher von Skinheads besucht. bei den veranstaltungen kam es oft zu ausschreitungen zwischen football crews, aber auch zwischen anhängern verfeindeter politischer lager. das brachte die Skinheads wieder in die schlagzeilen. zudem begannen (vor dem hintergrund von massenarbeitslosigkeit und angst vor überfremdung) rechtsextreme parteien und gruppierungen – allen voran "British Movement" und "National Front" – mit einer massiven rekrutierung unter britischen Skinheads.
die medienberichte propagierten den – nicht zu verleugnenden – einfluss rechter gruppierungen auf die britische Skinheadszene. fast überall wurden Skinheads und neofaschismus gleichgesetzt. die endgültige abstemplung als rechtsextreme totschläger folgte nach den ereignissen von Southhall: in der "Hambrough Tavern" war es im sommer 1980 wegen des auftritts vermeintlich rechter bands zu einer straßenschlacht zwischen publikum und jugendlichen einwanderern gekommen, infolge derer viele menschen schwer verletzt wurden und der veranstaltungssaal abbrannte.
das entsetzen der medien darüber hatte einen bis heute wirkenden nebeneffekt – der begriff "Skinhead" wurde über die grenzen des vereinigten königreichs hinaus zum inbegriff des nationalistischen, brutalen schlägers. unter diesem vorzeichen verbreitete sich die subkultur ins westliche europa (vor allem Frankreich und die damalige BRD) und in viele andere länder: es entstanden Skinhead crews in Australien, in den USA, aber auch in osteuropa.
diese zweite welle von Skinheads ist die, die heute den größeren einfluss auf die aktuelle Skinheadkultur hat:
»Jeans und Boots wurden fürs Fußballstadion zur Seite gelegt, und hervor kamen Levi's Sta Press, Mohairanzüge, auf Hochglanz polierte Brogues und ähnlich imponierendes.« (George Marshall)
wie grenzen sich angehörige verschiedener jugendkulturen am deutlichsten untereinander ab – ohne sich beim ersten anblick nach ihrem bevorzugten musikstil zu befragen? durch ihr outfit! andererseits fördert eine für andere klar erkennbare zuordnung die eigene identität. – um den anderen in tiefsten misskredit zu bringen, fällt unter verfeindeten Skinheads gern der vorwurf, "nur ein modeskin" zu sein, das heißt sich der bewegung anzuschließen, weil das outfit gefällt und auch einen gewissen schutz bietet: wer beschimpft schon auf offener straße einen Skinhead?!
oft wird es aber umgangen, detailliert auf das äußere erscheinungsbild der Skinheads einzugehen. den meisten berichterstattungen scheint der kurze haarschnitt, möglichst in verbindung mit festem schuhwerk, auszureichen. dieses bild entspricht aber schon seit einigen jahren der aktuellen jugendmode! selbst szenetypische bekleidungsstücke wie bomberjacke und Doc Martens haben ihren festen platz in der konsumkultur gefunden.
nur mit einem sorgfältigen blick auf das typische erscheinungsbild von Skinheads ist es möglich zu erkennen, ob medienberichte Skinheads, modisch gekleidete jugendliche oder offensichtliche neonazis zum thema haben. dann kann man für sich entscheiden, ob wieder einmal auf spektakulärem weg ein sündenbock gesucht und schiere propaganda als mittel der schuldzuweisung betrieben wird.
was die äußerlichkeiten angeht, so stellt sich die situation heute für szene-neulinge wesentlich einfacher dar. selbst originäre Skinhead-klamotten kann man – anders als noch vor zehn jahren – unproblematisch im warenhaus oder per versandkatalog kaufen.
ich halte die aufzählung hier sehr ausführlich, auch um zu zeigen, dass Skinheads, bis auf den haarschnitt, der wiederum eher konform zur aktuellen mode läuft, oft nicht als solche zu identifizieren sind. neben der bomberjacke werden Harrington, Donkey und Jeans Jackets bevorzugt getragen.
zur Skinheadgarderobe gehören:
zu anderen aufmachungen, unter denen "Skinheads" oft firmieren, die nicht in der aufzählung auftauchen und der autor für szeneuntypisch erachtet, insbesondere uniformstücke, kommt später noch was...
Skinheads bevorzugten immer schweres schuhwerk, die ende der 1960er noch oft getragenen NCB Boots mit außen aufgesetzter stahlkappe wurden bald von Doc Martens verdrängt. immer noch werden schuhe mit stahlkappen bevorzugt getragen – was in einer straßenschlägerei zum vorteil, bei der flucht vor der polizei zum nachteil gereichen kann;-)
gerne werden aber auch loafers (flache schuhe mit fransen) und brogues (mit lochmuster) getragen. zur betonung der besonderen schnürung bei den hohen stiefeln und, weil es einfach gefällt, werden oft farbige (bevorzugt weiße) schnürsenkel verwendet.
neben Doc Martens werden wegen ihres noch martialischeren äußeren Shelley Rangers und andere schwere schnürstiefel mit auffällig abgenähter oder auch außen aufgesetzter stahlkappe getragen.
die Skinheads der ersten generation hatten einen sehr viel längeren haarschnitt als heute üblich. sie hatten rundum bis etwa streichholzlange haare (kurz genug, um die kopfhaut hindurch schimmern zu sehen). oft wurden sie nach dem verwendeten schermaschinenaufsatz benannt, z. b. "#1 Crop" für den kürzesten.
heute werden die haare zumeist in der länge getragen, wie sie beim scheren mit der schermaschine mit dem kleinsten oder ohne aufsatz entstehen: ein bis drei millimeter. bis zum nächsten scheren kann das haar bis etwa einen zentimeter lang werden. verpönt sind so genannte Yankee Crops, d. h. militärhaarschnitte, bei denen das haar auf dem scheitel etwas länger und vom nacken bis oberhalb der ohren ausrasiert ist. Smart Skins, die sich auf die wurzeln um 1970 beziehen, tragen ihre haare entsprechend länger. vor allem bei Naziskins sind häufig nassrasuren des (dumm-)kopfes zu sehen.
immer schon gehören backenbärte, sogenannte koteletten, zur Skinheadmode. kurze schnauzbärte werden als proletenhaftes symbol geduldet. in letzter zeit werden immer öfter auch kinnbärte akzeptiert. dies ist auf Hardcore-einflüsse us-amerikanischer Skinheads zurückzuführen.
tätowierungen sind in modernen gesellschaften immer ein merkmal unterer schichten (wobei popstars das kokettieren mit dieser kunst durchaus zugestanden wird). die träger der tätowierungen selbst wissen oft erst nach einigen jahren, was sie auf dem körper tragen: eine erinnerung, eine jugendsünde, kunst – oder das bekenntnis zu ihrem lebensstil.
Skinheads hatten dieses mittel zur provokation und selbststigmatisierung frühzeitig benutzt. besonders beim wiederauferstehen der subkultur um 1980 war es nicht unüblich, solche – auch in den unterschichten als tabu geltende – bereiche wie hände und gesicht mit einem patriotischen "Made in England" oder einem martialischen "HATE" zu verzieren.
teilweise werden motive aus dem eigenen leben gewählt, auch fabelwesen oder tiere, denen macht und stärke zugeordnet werden, sowie originäre Skinheadmotive und -symbole sind weit verbreitet. politische aktivisten beziehen sich auf ihre einstellung. das tätowierte hakenkreuz kam übrigens erst mit der Punkbewegung auf – dort wurde es als radikale provokation verwendet.
innerhalb der Skinheads gibt es relativ wenige sogenannte Renees. die stark auf männlichkeit orientierte szene ist offensichtlich nicht besonders attraktiv für mädchen und junge frauen. im gesamten auftreten gleichen sie eher ihren männlichen vorbildern. straff organisierte frauenvereinigungen wie z. b. in rechtsextremen gruppierungen gibt es nicht.
im aussehen unterscheiden sie sich durch einen haarschnitt, der im nacken und an den ohren längere haare (feathers) hat. wenn es die witterung zulässt, werden gerne miniröcke (skirt) in kombination mit netzstrümpfen getragen. sonst ist sowohl die kleiderordnung als auch ihr auftreten analog zum Skinhead.